Hier berichten wir über unsere Woche mit ihr, über die Treffen, Besuche und Austausche mit Menschen in der DG (Teil 1 & Teil 2).
Der Donnerstag startete im Bischöflichen Institut Büllingen. Wie im letzten Jahr haben uns Louisa Gangolf & Pascal Jost in das 2. Sekundarschuljahr eingeladen. Der direkte Austausch über Haiti ist eine besondere Erfahrung, es macht einen unterschied aus erster Hand über ein Land zu erfahren.


Die Schülerinnen und Schüler hatten aber schon im Vorfeld in Gruppen Informationen zu Haiti recherchiert. In ihreren Arbeiten haben sie viel herausfinden können. Dabei gab es viele Informationen zu den Problemen: es ist eines der ärmsten Länder, die Gangs, Naturkatastrophen, die Schuld an Frankreich/das Lösegeld etc.
Aber auch die Sehenswürdigkeiten, die schöne Natur, die Bodenschätze sind in den Arbeiten aufgetaucht. Und dass die Fläche und die Einwohnerzahl der Belgiens gleicht. Und auch die Teilung der Insel in Haiti und die Dominikanische Republik, nach der französischen Besatzung im einen Teil und der spanischen im anderen.
Trotzdem kann man sagen, dass das Hauptbild, dass man gefunden hat und in den Köpfen hängt, eher ein negatives ist.
Dafür ist der Austausch mit Islanda wichtig, die auch ein anderes Land zeigen möchte.
Widerstand gegen Landraub, für Ernährungssicherheit, für gesunde Ernährung, für politisches Plädoyer, all die Dinge, für die sie sich einsetzen bringen eine Solidarität, eine Kraft des Widerstandes mit sich, die auch das Land verändern.
„Wir möchten im Kontakt mit der Erde bleiben, daher kann es für uns nur mit Bio-Landwirtschaft und Agroökologie gehen.“ Saatgut ohne Pestizide, sanfte Bearbeitung der Erde, all das ist Grundlage ihrer Philosophie.
Die Bäuerinnen und Bauern leben weit entfernt vom Hauptquartier und organisieren die Abholung des Saatgutes, der Tiere etc. Es geht um kooperative, solidarische Gemeinschaft. In jeder Gemeinschaft wird sich auch versammelt, immer so wie es vor Ort am besten passt. Das können Jugendtreffen sein, Frauentreffen etc. Und die gemeinschaftlichen Kindergärten unterstützen die Gemeinschaft.
Die Gärten sind gemeinschaftlich strukturiert, die Ernten werden gemeinsam bewältigt, das Saatgut hergestellt, sie verkaufen gemeinsam, sie teilen sich auf. Aber auch die politische Bildung ist wichtig, also demokratische Struktur kennenlernen.
In den Medien wird oft ein Haiti gezeigt, mit Armut und Hunger, aber ihr Haiti ist eines der Solidarität, der Ernährungssicherheit.
Islanda erzählt dass Haiti ein Land mit einer reicher Geschichte ist. Und daraus die erste Schwarze Republik entstanden ist. Und dass durch den Sieg gegen diese riesige Armee aus Frankreich!
Französisch als Amtssprache und Schulsprache ist geblieben, aber auf dem Land wird kreolisch gesprochen. Im Unterricht wird die Französische Revolution durchgenommen, nicht aber die Haitianische. Er dreht sich um Frankreich. Französisch als Sprache der Bildung als Gegensatz zum Kreolischen als Sprache der „wilden Landbevölkerung“.
Der Ursprung der haitianischen ökonomischen Armut ist diese Zahlung des Lösegeldes an Frankreich. Denn die Produkte die ausgeschifft werden um die Schuld zu tilgen, fehlen der haitianischen Wirtschaft. Und auch die Goldschätze werden von ausländischen Mächten entnommen, die die Gangs einsetzen, Haitianer gegen Haitianer, um das Land klein zu halten.
„Wenn es in Brüssel Schwierigkeiten gibt, dann ist das nicht stellvertretend für ganz Belgien. In Haiti wird aber das, was in einer Stadt, in einem Departement passiert, auf ganz Haiti ausgeweitet. Dabei funktionieren die anderen Departements ganz normal. Und auch unsere Geschichte wird von außen geschrieben. Aber die rebellische Bevölkerung, die Menschen organisieren sich selbst und möchten ihre Geschichte selbst schreiben. Meine Gemeinschaft ist reich: an Nahrung, Landschaft, Gemeinschaft, Fruchtbarkeit der Böden.“
Der Informationsteil der Arbeit, im Radio zu berichten und Wissen zu vermitteln, erinnert an Zeiten, zu denen auch beispielsweise in den USA die Sklaven durch Radiosendungen ein ganz neues Wissen erhielten – und damit auch den Schlüssel zur Revolution. Und so läuft das auch in Haiti, mit unseren Partnerorganisationen. Und dadurch wird Bildung immer verbreiteter und der Widerstand stärker. Anti-Sklavistisch, Anti-Rassistsich, Anti-Kolonialistisch, Anti-Patriarchat – so ist die Haitianische Revolution aufgebaut worden, damals wie heute.
In der Verfassung steht geschrieben: Jeder Mensch, der nach Haiti kommt, egal welcher Herkunft, egal welchen Geschlechts, ist frei. Die Revolution soll friedlich sein. Völker, die Menschen, haben keine Probleme miteinander, es sind die politischen Strukturen, die Spaltung betreiben.
Das GrenzEcho, genauer gesagt Maxime Ortmans, hat uns später im Klarahaus besucht und ein Gespräch mit Islanda geführt. Das wird hier zu finden sein, sobald es erschienen ist. Vielen Dank für die Sichtbarkeit und das Interesse!
Das Programm APTES, zu dem sich unsere Partnerorganisationen zusammengeschlossen haben, wird von der Deutschsprachigen Gemeinschaft unterstützt. 30.000€, also einem Viertel des Budgets der Entwicklungszusammenarbeit im Jahr 2025, helfen unseren Partnerinnen und Partnern dabei, die Landbevölkerung zu unterstützen. Dafür sind wir, und unsere Partner*innen, sehr dankbar.
Wir freuen uns, dass die Ministerin Lydia Klinkenberg sich Zeit für uns nimmt und im direkten Gespräch mit Islanda mehr über ihre Arbeit erfahren möchte.
Hier hatte auch sie die Gelegenheit, das Bild von einem anderen Haiti zu kennenzulernen. Was wir wissen, bezieht sich oft auf den Abbau der Rohstoffe, den die grossen Konzerne vorantreiben, und in dessen Rahmen die Konflikte aufflammen und in das Land gebracht werden.
Aber auch hier bricht Islanda eine Lanze dafür, ein anderes Haiti zu zeigen, dass aufgrund der Landbevölkerung blüht, und solidarisch wächst. Die Regierung, die eher gegen die solidarische Landwirtschaft arbeitet, gegen die sozialen Organisationen arbeitet, ist keine Hilfe. Daher bauen unsere Partnerorganisationen ein ganzes System neben den staatlichen Strukturen auf.
Das Geld fliesst in die Bildung, in die Weiterbildung, in die Agroökologie. Und Priester in einer Philiosophie einer Befreiungstheologie in der Karibik sind im Allgemeinen eine grosse Unterstützung für die Landbevölkerung. Häufig stellen sie auch die Räume für die Versammlungen und Weiterbildungen in ihren Kirchen zur Verfügung.
Die Verteilung des Saatgutes wird erklärt, die in den kleineren Gemeinschaften stattfindet, da jede Gemeinschaft ihr Besonderheit im Anbau hat. Auch die Nutzung von Fischen und Becken im Anbau von Gemüse ist ein Thema, Aquaponik genannt. „Combit – kreolisch – wir versorgen uns selbst. Alle kommen zusammen um gemeinsam anzubauen oder zu ernten, die Frauen versorgen mit essen, es wird gesungen,… Da jeder etwas anderes anbaut, kann so jeder davon profitieren, die Ernte wird geteilt, im gelebten Miteinander. Es werden viele Dinge gleichzeitig angebaut, die organischen Abfälle werden als Dünger genutzt.“ In Haiti kann das ganze Jahr gesät und geerntet werden, immer mit einer Pause, in der die Böden sich erholen werden.
Als Ministerin für die Rechte der Frauen ist es wichtig zu hören, wie die gesamte Arbeit der Frauen, hier oft die Care-Arbeit, die unsichtbare Arbeit genannt, einbezogen ist. Sie wird sichtbar gemacht, und dabei auch ganz klar gesagt, dass das Hauptgewicht auf den Schultern der Frauen liegt. Die Frauen haben dafür gekämpft, überall dabei zu sein, weil sie dort hingehören. Und auch die Kindergärten bieten den Frauen Freiheit. Und oft sind es auch die Frauen, die die Geschichte des Volkes erzählen. Und auch in den Liedern, die gleichzeitig Ungerechtigkeiten anprangern und Form des Protestes sind, wird Geschichte erzählt.
Wie schon im Gespräch mit dem Grünen Kreis wurde der Unterscheid zwischen der Herangehensweise in der Zusammenarbeit zwischen Organisationen und Regierungen auf allen Ebenen sichtbar. Es gibt keine Unterstützung, kein Vertrauen, die Gelder kommen nicht dort an, wo sie hingehören. Selbst wenn sie speziell festgelegt sind für den Zweck der Unterstützung der Landwirtschaft. Und kooperieren mit den Konzernen, die Pestizide verkaufen, die Böden zerstören und Abhängikeiten schaffen.
Genau wie wir, und wie die anderen Menschen denen wir mit Islanda begegnet sind, waren auch die Ministerin und ihr Berater Mathias Maucher beeindruckt vom Engagement und von den Erzählungen.




