Ein Klassenzimmer. Auf den Stühlen identische Rucksäcke

Die Schule als Quelle von Ungleichheit?

# Infoheft 146
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Belgien hat eine der höchsten Kinderarmutsraten in Europa: Vier von zehn Kindern wachsen in Armut auf. Die Europäische Union hat 17 Kriterien zur Messung der Kinderarmut festgelegt, darunter regelmäßige Freizeitaktivitäten, die Teilnahme an Schulausflügen, angemessene Wohnverhältnisse und Zugang zu gesunder Ernährung. Wenn ein Kind drei dieser Kriterien nicht erfüllt, gilt es als benachteiligt.

In der Föderation Wallonie-Brüssel ist jedes fünfte Kind davon betroffen. Aber auch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft leben Kinder und ihre Familien in Armut. Und das zeigt sich auch in den Schulen. Dabei ist es sehr schwierig, an aussagekräftige Zahlen zu kommen. Diese wären wichtig, um Lösungen ausarbeiten und Ursachen von Armut reduzieren zu können. Allein im Schuljahr 2024/25 hat der Vinzenz Verein in Eupen fast 39.000€ zur Unterstützung von Schulmahlzeiten ausgegeben und knapp 3.400€ für die Unterstützung schulischer Aktivitäten. “Ein Herz für ostbelgische Kinder” des Bürgerfonds der König Baudouin Stiftung hat im Jahr 2024 für Kinder in finanziellen Schwierigkeiten 12 Schulgemeinschaften mit 18.500€ unterstützt. Und auch die angekündigte Streichung des Schulbonus und ein drohender Indexsprung beim Kindergeld treffen vor allem die Familien, die sowieso schon vor den größten Herausforderungen stehen. Außerdem wird in den kommenden Jahren die föderale Arbeitsmarktreform Auswirkungen auf Familien und somit auf Kinder und Jugendliche haben.

Von Geburt an sehen sich diese Kinder mit Hindernissen beim Zugang zu ihren Grundrechten – Ernährung, Gesundheit, Bildung – konfrontiert. Ein Kind ist arm, weil es in eine arme Familie hineingeboren wird, und die Armut der Eltern wirkt sich nicht nur unmittelbar auf die Kinder aus, sondern hat auch Folgen für ihre Zukunft. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, sind entschlossene politische Maßnahmen erforderlich, die bereits in der frühen Kindheit ansetzen müssen.

Prekarität hat einen direkten Einfluss auf einen wesentlichen Aspekt im Leben eines Kindes: seinen schulischen Werdegang. Die Schule, die eigentlich allen Kindern die gleichen Chancen bieten soll, ist heute nach wie vor ein Ort, an dem Ungleichheiten reproduziert werden.

Das Bildungswesen in Ostbelgien unterscheidet sich in manchen wesentlichen Punkten von dem der Wallonie und Brüssel. So ist beispielsweise die Möglichkeit Sprachlernklassen zu eröffnen ein Mittel, um Kinder im Regelschulsystem zu halten, während in der Wallonie und Brüssel diese Kinder meist keinen Ausweg mehr gibt. Aber egal wo die Kinder zur Schule gehen: der Bedarf für Rahmenbedingungen, die jedes Kind, egal mit welchen Schwierigkeiten, über die gesamte Schullaufbahn unterstützen, ist da.

Dafür braucht es den Raum für Dialog zwischen Schule und Familie, um einen individuellen Ansatz für das Kind zu entwickeln. Die Größe der Klassen und der Mangel an Ressourcen schränken jedoch teilweise die Möglichkeiten der Lehrkräfte ein, diese individuelle Betreuung zu gewährleisten.

Das Fehlen einer wirklich kostenfreien Schule erschwert den Zugang zu Bildung.

Die Schulgeldfreiheit im Pflichtschulbereich ist ein Recht, das durch die Internationale Konvention über die Rechte des Kindes und die belgische Verfassung geschützt ist. Dennoch werden den Familien zahlreiche Kosten auferlegt. Tatsächlich bleiben die schulbezogenen Ausgaben ein großes Hindernis: Zwischen Schulmaterial, Mahlzeiten, Aktivitäten und Ausflügen können die Kosten pro Schuljahr und Kind untragbar sein. Eine Lösung, die von mehreren Akteuren vorgeschlagen wird, wäre die Bereitstellung kostenloser Schulmahlzeiten, da eine gesunde Ernährung die Konzentration und das Wohlbefinden der Kinder verbessert.

Mögliche Lösungen und Pisten

  • kostenlose Mahlzeiten
  • Zahlen erfassen und zur Verfügung stellen
  • Schulbonus bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze