Unsere Woche mit Islanda aus Haiti – Fastenfrühstück

Vom 9.-15. März ist Micherline Islanda Aduel aus Haiti im Rahmen der Fastenaktion 2026 zu Besuch in Ostbelgien.
# Fastenaktion 2026
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Hier berichten wir über unsere Woche mit ihr, über die Treffen, Besuche und Austausche mit Menschen in der DG (Teil 1, Teil 2, Teil 3 & Teil 4).

An Tag 5 war es soweit – unser soldarisches Fastenfrühstück für unsere Partnerorganisationen in Haiti und Haiti Farnières mit Angelika Hoffmann.

Gemeinsam mit dem Weltladen haben wir zu einem Frühstück eingeladen, das Gelegenheit bot, lokale & regionale Produkte zu essen, und für die Produkte von weit her faire Produkte zu kosten. Dazu gab es Brötchen der Bäckerei Kelleter in Eupen, Käse vom Schoppener BioGut und Marmeladen, Schoko, Kaffee, Tee aus dem Weltladen in Eupen.
Diese Kooperationen sind uns wichtig, um lokale Kreisläufe zu unterstützen, überall faire Preise zu zahlen und Solidarität hier bei uns auch zu leben. Unsere Nahrung hat einen Wert, den wir gerne bereit sind zu zahlen.

Mehr als 70 Menschen sind der Einladung gefolgt, und haben neben dem Frühstück auch den Berichten von Islanda und Angelika gelauscht. Zwei Frauen, die beide mit ihrer Arbeit und ihrem Engagement das Leben in Haiti verbessern möchten, und Menschen die Möglichkeit geben, auf eigenen Beinen zu stehen.

Angelika Hoffmann von Haiti Farnières Islanda Aduel von Tèt Kolé und Catherine Brüll von Miteinander Teilen

Angelika Hoffmann berichtete von ihrem landwirtschaftlichen Projekt, den Schulen und dem Patenschaftsprojekt.
Mit der Landwirtschaft, wo Menschen Arbeit finden, gleichzeitig aber auch eine (weiterführende) Ausbildung erhalten, sind sie im letzten Jahr auf das System der Permakultur umgestiegen. Die Menschen, die bei ihnen geschult werden, sollen später dieses Wissen auch gut in ihren Regionen anwenden können. Das heisst eben auch, Lösungen dafür zu finden, dass nicht überall wie an ihrem Standort sauberes Wasser zu finden ist, auch Regenwasser rar ist, und doch Anbau funktionieren soll. Die Permakultur, die, kurz gesagt, in verschiednen Schichten und unterschiedlichen Fruchtfolgen arbeitet, bietet die Möglichkeit, wassersparend zu arbeiten, die Pflanzen sich gegenseitig stärken zu lassen und den Boden feuchter zu halten. Ausserdem arbeiten sie mit einem System der Schläuche in den Beeten, die gzielteres Wässern ermöglicht. Auch so wird Wasser gespart.
Die Menschen erhalten Werkzeuge, theoretische Schulungen und Begleitung, umspäter dann einen landwirtschaftlichen Betrieb selbst leiten zu können.

Das Schulprojekt ermöglicht momentan ca. 70 Kindern eine schulische Ausbildung. Der Zugang zu Bildung ist nicht überall einfach, und mit der Schule, die von Schwestern geleitet wird möchten sie die Schülerinnen und Schüler begleiten und ihnen Möglichkeiten bieten. Angelika Hoffmann ist jede Woche mindestens einen Tag vor Ort, um im Kontakt zu sein, die Kinder gut kennenzulernen und die Bedürfnisse selbst mitzubekommen. Auch sauberes Wasser bringt sie dorthin, aus dem Brunnen am Standort des ladwirtschaftlichen Projektes.

Getragen wird vieles vom Patenschaftsprojekt. Menschen hier übernehmen Patenschaften in Haiti, um beispielsweise die Schule zu zahlen. Dabei ist es immer wünschenswert, dass auch ein Kontakt besteht, sich beide Briefe schreiben, die Pat*innen über den Fortschritt in der Schule infromiert werden und mehr.

Auch Islanda hat ihr Projekt vorgestellt und den Kern ihrer Organisation vorgestellt. Heute hat sie viel über den Kampf der Menschen, und den Preis, den sie dafür zahlen müssen, berichtet. Massaker, ständige Verhaftungen, Prozesse und die fehlende Unterstützung und sogar Unterdrückung durch den Staat hinterlassen ihre Spuren. Es erfordert eine bewusste Entscheidung, sich diesem Aktivisumus zu verschreiben in dem Wissen, jederzeit auf Gegenwehr und sogar Gewalt zu stossen. Voller Stolz singt sie eines der Lieder der Bäuerinnen und Bauern, dass die Zustände, den Willen nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung besingt. So emotional, dass sie selbst und auch wir ergriffen werden von diesem Geist des soldarischen Widerstandes, und des Preises, den er kostet.

Beide sind sich einig darin, dass die Berichterstattung über Haiti hier im Westen sehr geprägt ist von dem, was in Port-au-Prince geschieht, das Land aber wo viel mehr zu bieten hat. Islanda zeigte Bilder einer ihrer Gemeinschaften, in den kollektiv angebuat wurden, die aber nahe an Port-au-Prince liegt, und in denen sich die Gangs breitgemacht haben. Hier kann momentan nicht angebuat werden, und die Gefahr lauert. Auch Angelika erzählt, dass sie seit drei Jahren nicht in die Hauptstadt konnte, und auch der Kontakt zu Patenkindern und anderen Teilnehmenden im Programm dadurch schwer bis unmöglich ist. Diese Konflikte zeichnen ein Bild eines Landes, das am Abgrund steht.
Und doch erzählen beide von einem Land, das so viel Reichtum hat, an Geschichte, Menschen, Solidarität, fruchtbaren Böden und Hoffnung. Und das in grossen Teilen eben genau das ist – schön und positiv.

Die Menschen im Pfarrheim nehmen diese Bilder mit, und hoffentlich schaffen wir es gemeinsam, unsere Blickwinkel und Denkweisen zu verändern und zu hinterfragen. Gemeinsam schaffen wir so vieles, was uns alleine unmöglich erscheint. Und dieses Fastenfrühstück bestärkt uns darin, Menschen wie Angelika, Islanda und viele andere auf ihrem Weg zu unterstützen.

Mit diesem Gefühl gehen wir auch in die Messen, die heute und morgen auf dem Programm stehen, und in denen Islanda mit Leidenschaft ihr Plädoyer für Solidarität hält – echte, gelebte, die verbindet.